Seit einiger Zeit bin ich im Stadtrat von Gütersloh als sachkundige Bürgerin angemeldet. Es ist eine ehrenamtliche Tätigkeit. Die Rolle an sich ist sehr spannend, man darf verschiedene Ausschusssitzungen besuchen. Allerdings fangen die meisten Sitzungen um 17 Uhr an. Für die meisten arbeitenden Leute ist es wohl zu früh.
Sachkundige Bürger bekommen auch kein Geld für die Kinderbetreuung erstattet. Für mich bedeutet dies, dass ich die Kinderbetreuung für die Zeit der Sitzung selbst bezahlen muss. Das kann schnell 50 Euro kosten, was pro Sitzung echt teuer ist. Deswegen war ich bislang nur einmal bei einer Sitzung des Auschusses für Familie und Soziales.
Die Sitzung war sehr interessant. Ein Mitarbeiter der Diakonie e.V. erzälte über die Probleme der Obdachlosen in Gütersloh. Vom Prinzip sind alle Städte (auch Gütersloh) in Deutschland offenbar von steigender Obdachlosigkeit betroffen. In den Großstädten steigt die Obdachlosigkeit am schnellsten. Das Bedenkliche daran ist, dass es zunehmend junge Menschen betrifft.
Leider ist die Sitzung zeitlich völlig aus dem Ruder gelaufen und dauerte bis 22 Uhr. Das ist auch für Leute mit jungen Familien problematisch. Ich hatte mit unserer Kinderbetreuung besprochen, dass sie bei uns 4 Stunden bleiben wird. Letzendlich musste ich dann anrufen und mich entschuldigen, dass ich erst später komme. Nicht schön, da sie auch Kinder hat, die auf sie zu Hause warten.
Vielleicht erklärt dies, wieso im Stadtrat wenig Frauen und Menschen mit jungen Familien sitzen…
Trotzdem sind gerade kommunalen Themen sehr spannend, denn hier geht es wirklich um die Praxis und nicht nur um politische Konzepte.
